Harnröhrenanästhesie: Bezeichnung für eine schmerzunempfindliche Harnröhre. Ursache: Vollständige Lähmung der Nerven, die die Harnröhre sensibel versorgen. Die örtliche Betäubung der Harnröhrenschleimhaut z.B. mit einem Gleitmittel (Instillagel ®), das ein Betäubungsmittel (Lidocain) enthält.

Harnröhrenausfluss: Absonderung von schleimiger Flüssigkeit aus der Harnröhre. Aussehen: Weißlich, gelblich und / oder blutig, geruchsneutral bis übel riechend. Gründe: a) Harnröhrenentzündung (z.B. Gonorrhoe), b) eitrige Harnblasenentzündung, c) wurde nach künstlichen Harnableitungen die Harnblase be­lassen, kann sich hier Eiter bilden, der sich über die Harnröhre entleert. Abgrenzung: Bei Männern kann es sich bei einer milchigen oder klaren Absonderung um ein Prostata-Sekret oder einen Samenerguss handeln.

Harnröhrenblutung: Blut, das aus der Harnröhre tritt. Es handelt sich immer um einen krankhaften und abklärungsbedürftigen Befund. Zu klären ist die Herkunft der Blutung: 1. Harnröhre: Mögliche Ursachen: a) Harnröhrenentzündung (Urethritis), b) durch Verletzung der Harnröhre bei Katheterentleerung oder c) durch Steinbildung, d) durch Dekubitus bei Dauerkatheter. 2. Harnblase: Mögliche Ursachen: a) Harnblasenblutung, b) (blutige) Harnblasenentzündung, c) Verletzung, d) Steinbildung. 3. (selten) Harnleiterstein. 4. Nierenblutung. Gemeinsame Symptome:  a) Nachweis von Blut im Urin, b) (bei Blasenlähmung häufig fehlende) Schmerzen. Hinweis: Die Menge des Blutaustrittes ist schwer abzuschätzen, wird aber meist überschätzt. Therapie: Gezielte Behandlung der Ursache.

Harnröhrenbougierung: aufdehnen der Harn­röhre mit fadenförmigen oder stabförmigen Dehnungsinstrumenten (Bougie). Hinweis: Es wurde eine Zeit lang versucht, durch eine regelmäßige H. eine dauernde Verbesserung des Harnabflusses der Harnblase zu erreichen; diese Methode hat sich jedoch nicht bewährt und ist deshalb wieder verlassen worden.

Harnröhrenengen: natürliche und krankhafte, angeborene oder entstandene Verengungen im Verlauf (nur) der männlichen Harnröhre. 1. Enge: im Bereich der Eichel, 2. Enge: im Bereich der Einmündung der Samenstränge, 3. Enge: im Bereich der Prostata, d.h. kurz hinter dem Abgang der Harnröhre aus der Harnblase. Diese sog. physiologischen Harnröhrenengen können sich bei der  Katheterentleerung der Harnblase als erhöhter Widerstand beim Vorschieben des Katheters bemerkbar machen. Krankhafte Verengungen können bestehen a) durch eine angeborene Klappenbildung (sog. Harnröhrenklappe), b) durch narbige Veränderungen (Strikturen) nach Harnröhrenverletzungen durch Dekubitus, Harnröhrenentzündungen oder durch Katheter (vgl. auch: äußere Harnröhrenöffnung), c) durch eine spastische Reaktion im Bereich des inneren Harnröhren-Schließmuskels im Bereich des Blasenhalses. (S)

Harnröhrenentzündung: bakterielle Entzündung der Harnröhrenschleimhaut oder der Harnröhrenwand. Symptome bei Mädchen / Frauen: Leichte Schmerzen bis Brennen (was bei Lähmungen auch völlig fehlen kann) beim Wasserlassen oder auch unabhängig davon. Ursachen: Bakterielle Infektionen, z.B. durch Chlamydien, Mykoplasmen, Gonokokken oder sonstige Bakterien. Mangelnde Hygiene: z.B. durch die Verwendung nicht steriler Katheter, Verwendung von nicht sterilen Gleitmitteln (S). Diagnose: Weißlicher, auch blutiger, teils übel riechender Ausfluss mit massenhaft nachweisbaren weißen Blutkörperchen (Leukozyten), Urinveränderungen (Urin­­­trübung, Leukozyten +++, Eiweiß +++, oft auch Blut +++). Bestimmung der Erreger mit Ermittlung der Empfindlichkeit gegen Antibiotika (Antibiogramm). Therapie: 1. Ggf. Beseitigung einer auslösenden Ursache. 2. Antibiotika: Gezielte Gabe eines Antibiotikums entsprechend dem Antibiogramm, . 3. bei Schmerzen: vorübergehende Verwendung eines betäubenden Gleitmittels (z.B. Instillagel ®) oder Gabe eines Schmerzmittels (z.B. Ibuprofen ®). Vgl. Harnröhrenreizung, Harnröhrenausfluss.

Harnröhrenfistel: krankhafter Verbindungsgang zwischen der Harnröhre und einem Nachbarorgan, z.B. Haut, Darm oder Scheide. Vgl. Fistel. (S)

Harnröhreninfektion: Harnröhrenentzündung.

Harnröhrenlänge: Harnröhre.

Harnröhrenöffnung: natürliche Öffnungen am Beginn und am Ende der Harnröhre. 1. Die innere H. liegt am Boden der Harnblase. Hier beginnt die Harnröhre. 2. Die äußere männliche H. liegt im Bereich der Spitze des Penis und ist durch die Vorhaut bedeckt und geschützt. Sie kann bei einer (physiologischen und krankhaften) Vorhautverengung (Phimose) schwer auf­zufinden sein (vgl. hierzu: Harnwege: Katheterentleerung bei Jungen und Männern). Die äußere weibliche H. liegt in einer kleinen Erhebung in der Mitte zwischen dem oberen Teil der kleinen Schamlippen und oberhalb des Scheideneinganges. Sie ist oft nicht leicht aufzufinden (vgl. hierzu: Katheterentleerung der Harnblase bei Mädchen und Frauen). Desinfektion der äußeren H.: Die äußere H. ist sorgfältig mit warmem Wasser unter Zusatz eines geeigneten Desinfektionsmittel zu reinigen, a) vor dem Legen eines Katheters, um eine bakterielle Verunreinigung der Harnblase beim Vorschieben des Katheters zu vermeiden (vgl. Katheterentleerung der Harnblase); b) bei der Gewinnung von Urin zur Urinuntersuchung (vgl. Gewinnung von keimfreien Urin).

Harnröhrenreizung: oberflächliche Rötung und Schwellung der Harnröhrenschleimhaut ohne Nachweis von Infektionszeichen. Mögliche Ursachen (z.B.): Katheterentleerung ohne ausreichende Gleitmittelanwendung. Symptome: Juckreiz oder schmerzhafte Wahrnehmung im Bereich der Harnröhre. Urinuntersuchung: Kein auffälliger Befund, evtl. vereinzelt weiße Blutkörperchen. Bei auffälligem Urinbefund ist eine Harnröhrenentzündung auszuschließen. Therapie: Verwendung einer ausreichenden Gleitmittelmenge, ggf. Verwendung eines Gleitmittels mit einem Betäubungsmittel (z.B. Instillagel ®), lokale Wär­me­anwendung.

   
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