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Um das Stoffwechselgleichgewicht im Körper aufrecht zu halten, ist eine ausreichende

Flüssigkeitsaufnahme erforderlich.

Der Flüssigkeitsbedarf wird (meist) durch das Durstgefühl reguliert. Mit zunehmendem Alter wird – auch schon bei Kindern – das Durstgefühl weniger wahrgenommen. Dennoch bleibt eine optimale Flüssigkeitsaufnahme (s.u.) auch ohne Durstgefühl ein wichtiges gesundheitliches Ziel, was allerdings nur bei seltenen Komplikationen (vgl. erhöhter Flüssigkeitsbedarf) „mit Druck“ durchgesetzt werden muss (vgl. Ausnahmen, z.B.: Kreislaufstörungen, Harnwegsinfektionen, enge Hirninnenräume).

Die Ausscheidung der aufgenommenen Flüssigkeit erfolgt zum größeren Teil über die Nieren, aber auch durch die Atmung und durch Schwitzen.

 

Flüssigkeitsbedarf

Der tägliche Flüssigkeitsbedarf ergibt sich im Wesentlichen aus

-  dem Körpergewicht (vgl. Tabelle),

-  der Außentemperatur: je höher die Außentemperatur ist, umso stärker ist der Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen; es muss zusätzlich Flüssigkeit gegeben werden (vgl. Tabelle);

-  der Körpertemperatur: bei Fieber geht durch verstärktes Atmen und Schwitzen vermehrt Flüssigkeit verloren, die durch zusätzliches Trinken ersetzt werden muss; ab 38 Grad sollten pro Grad Temperaturerhöhung täglich etwa 200-300 ml zusätzlich gegeben werden;

-  der körperlichen Bewegung: ruhige, bewegungsarme Menschen trinken oft wenig; deshalb sollten häufig kleine Trinkmengen (kalorienarmer) Flüssigkeit und flüssigkeitsangereicherte Nahrung angeboten werden (Salate, magere Brühen und Suppen);

-  der körperlichen Belastung: durch die mit Muskelarbeit verbundene Steigerung des Stoffwechsels wird vermehrt Flüssigkeit durch die Haut ausgeschwitzt; außerdem kommt es durch verstärkte Atmung zu erhöhtem Flüssigkeitsverlust;

-  vom Trainingszustand: behinderte Patienten, die untrainiert bei körperlichen oder sportlichen Betätigungen einen höheren Kraftaufwand benötigen, verlieren mehr Flüssigkeit als Trainierte.

-  dem Hauttyp: Menschen mit einem trockenen Hauttyp (also bei geringem Flüssigkeitsverlust über die Haut) trinken oft weniger, als Menschen mit feuchtem, stärker schwitzendem Hauttyp.

 

Normaler Flüssigkeitsbedarf

Der normale Flüssigkeitsbedarf ist – bezogen auf das Gewicht – beim Säugling hoch und nimmt mit

zunehmendem Alter ab (vgl. Tabelle). Wegen unterschiedlicher physiologischer Bedingungen lässt sich der tägliche Flüssigkeitsbedarf nur näherungsweise festlegen. Eine Orientierung über den Flüssigkeitsbedarf ergibt sich aus der folgenden Übersicht:

 

 

 

Alter

 

 

Gewicht (kg)

 

Flüssigkeitsbedarf pro kg (ml)

 

Flüssigkeits menge in 24 Std.

2.-9. Tag

3

60-120

180-450

ab 10. Tag

4

140-160

450-550

3 Monate

6

140-160

750-800

6 Monate

8

130-155

950-1100

9 Monate

9

125-145

1100-1250

1 Jahr

10

120-135

1250-1300

2 Jahre

13

115-125

1350-1500

4 Jahre

16

100-115

1600-1800

6 Jahre

20

90-100

1800-2000

8 Jahre

25

80-90

2000-2250

10 Jahre

32

75-85

2000-2500

14 Jahre

50

50-60

2500-2700

18 Jahre

60

40-50

2400-2700

Erwachsene

70

30-50

2100-3000

 

Erhöhter Flüssigkeitsbedarf

Der Bedarf an Flüssigkeit ist um 30 – 100 % erhöht bei:

- körperlicher Tätigkeit

- Erhöhung der Körpertemperatur (> 38°)

- Durchfall

- hohen Außentemperaturen.

Zusammen mit der Flüssigkeit geht meist auch Kochsalz und Kalium verloren, was zu ersetzen ist.

Flüssigkeit und Kreislauffunktionen

Ausreichend Flüssigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für einen stabilen Kreislauf und eine ausreichende Durchblutung aller Organe, vor allem des Gehirns.

Flüssigkeit und Harnwege

Der aus der Niere abfließende Harn trägt wesentlich dazu bei, die Harnwege vor Infektionen zu schützen. Wenn wenig Harn durch die Nieren ausgeschieden wird, können Erreger leichter über die Harnröhre in die Harnblase gelangen, sich leichter vermehren und über die Harnleiter in die Nieren "aufsteigen". Der Harnfluss aus den Nieren ist umso stärker, je mehr Flüssigkeit aufgenommen wird. Deshalb wird aus nephrologischen/urologischen Gründen die Aufnahme von möglichst viel (kalorienfreier) Flüssigkeit empfohlen. Wenn Harnwegsinfekte bestehen oder drohen, ist nachdrücklich zusätzlich Flüssigkeit als (zuckerfreier) Tee oder Mineralwasser anzubieten. Bei erheblichen Trink-Schwierigkeiten (und regelmäßiger Katheterentleerung) ist der reinigende und verdünnende Effekt des Trinkens für die Harnblase auch durch eine Blasenspülung (vgl. Harnblasenspülung) mit (körperwarmer) Kochsalzlösung zu erreichen.

Flüssigkeitsaufnahme und Hirndruck

Bei zu engen Hirninnenräumen kann es durch Austrocknen, d.h. durch eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme + erhöhten Flüssigkeitsverlust (durch Hitze, Schwitzen, bei körperlicher Belastung, Durchfall usw.), zu einem weiteren Zusammenfallen der Hirninnenräume kommen. Bereits enge Hirnkammern verengen sich weiter, wodurch die Abflusslöcher an der Spitze des zentralen Katheters, über die das Hirnwasser abfließt, verlegt werden können. Weil jedoch weiter Hirnwasser gebildet wird, kommt es bei der erneuten Aufweitung der Hirninnenräume zu Kopfschmerzen (also zu Überdruckzeichen, vgl. Hirndruckzeichen), bis die Abflusslöcher in der Katheterspitze wenigstens teilweise wieder freiliegen und das Hirnwasser abfließen kann. Liegen ohnehin abnorm enge Hirninnenräume vor (Diagnose: bei Säuglingen: Ultraschall, sonst: CT, MR), ist ständig auf eine ausreichende Flüssigkeitsgabe zu achten, besonders vor/nach Anstrengungen, bei Fieber usw.

Flüssigkeit und Kalorien

Eine der wesentlichen Ursachen für die Entwicklung von Übergewicht (und für "Appetitlosigkeit") ist die Aufnahme von kalorienreichen Flüssigkeiten. Von frühester Kindheit an sollte der Flüssigkeitsbedarf nur mit geschmacksneutraler, kalorienfreier Flüssigkeit gedeckt werden. Sind Säuglinge und Kleinkinder einmal an süße Flüssigkeiten gewöhnt, sind sie schlecht wieder zu entwöhnen. Andererseits vermindert (auch kalorienfreie) Flüssigkeit als Wasser oder magere (!) Brühe oder Suppe zu Beginn einer Mahlzeit den Appetit, trägt also zur Vermeidung von Übergewicht bei.

Flüssigkeitsbedarf und -ersatz bei Sport

Beim Erwachsenen beträgt der tägliche Flüssigkeitsumsatz zwischen 2 und 3 Litern. Vergleichbare Untersuchungen des Bedarfes bei Kindern und Jugendlichen liegen nicht vor. Der Basisbedarf liegt – ohne körperliche Aktivität – bei 1,6 Litern, bei sportlicher Betätigung höher. Die Art des Flüssigkeitsersatzes richtet sich demnach nach der Art des Verlustes: Es empfiehlt sich, so viel – erstmals nach 15-20 Minuten – trinken zu lassen, bis der Durst gestillt ist, zusätzlich dann ein Glas mehr. Im Allgemeinen reicht die Gabe von Mineralwasser zum Ausgleich von Flüssigkeit aus. Alle kalorienreichen Flüssigkeiten (Säfte, Bier, Limonaden) verstärken das Durstgefühl. Sog. "isotone Getränke" sind lediglich bei längeren Dauerleistungen (vielleicht) angezeigt. Bei länger dauernden sportlichen Veranstaltungen (Turnieren, Mobilitätskursen usw.) sollte zu jeder Abendmahlzeit eine (salz- = elektrolythaltige) magere Brühe / Suppe gehören, die jeder Mahlzeit vorangestellt wird und so auch zu einem vorzeitigen Sättigungsgefühl und damit zu einer Verminderung der Kalorienaufnahme beiträgt. So können evtl. Defizite im Elektrolyt-/Flüssigkeitshaushalt über Nacht ausgeglichen werden. Ausdrücklich nicht empfohlen sind vermeintlich leistungssteigernde Flüssigkeiten, die Koffein, Taurin, Kreatin usw. enthalten.

Flüssigkeitsersatz bei Erbrechen

Mit dem Erbrechen gehen dem Körper sowohl Flüssigkeit wie auch wichtige Mineralstoffe (Natrium, Kalium, Chlorid, Calcium) verloren. Durch wiederholtes Erbrechen trocknet deshalb der Körper aus und es kann zu einer Stoffwechselentgleisung kommen. Wichtig ist deshalb der möglichst frühe Flüssigkeitsersatz in kleinen Mengen. Hierzu stellt man sich ein Gemisch aus einem elektrolythaltigen Tee (z.B. Oralpädon® oder GES 60®) und einer geschmackskorrigierenden Flüssigkeit (z.B. Apfelsaft) zusammen und verabreicht dieses zunächst (für etwa 1 Stunde) teelöffelweise (= ca. 5 ml) alle 3 Minuten. Während der nächsten Stunde gibt man einen Esslöffel voll (= ca. 10 ml) alle 3 Minuten. Auch wenn es weiter zum Erbrechen kommt, wird die Flüssigkeitsgabe weiter fortgesetzt, denn es bleibt immer etwas von der Flüssigkeit im Magen. Im Allgemeinen kann man nach 2-3 Stunden die Flüssigkeitsmenge freigeben. Hat sich die Flüssigkeitsaufnahme normalisiert, beginnt man mit dem Kostaufbau über eine fettfreie Kost (Kartoffelbrei ohne Fett, geriebenen Apfel, Nudelsuppe...), eine magere Kost (mageres Fleisch) und geht danach auf normale Kost über. Gelingt der Aufbau der Flüssigkeitsgabe nicht, kann eine schwere Austrocknung (Exsikkose) entstehen, die einen Flüssigkeitsausgleich durch eine Infusion erforderlich macht.

Achtung: Das Ausmaß des Flüssigkeitsverlustes ist oft schwer einzuschätzen. Deshalb ist frühe ärztliche Beratung angezeigt.

Flüssigkeitsersatz bei Durchfall

Auch bei Durchfällen kommt es verstärkt zum Verlust von Flüssigkeit und Mineralstoffen (Natrium, Kalium, Chlorid, Calcium). Hier sind die Anwendung von (verordnungsfähigen) Glukose-Elektrolyt- Lösungen (z.B. Oralpädon ®, GES ®) sowie eine fettfreie schlackenreiche Diät sinnvoll.

 

Nachweis von Flüssigkeitsbedarf

Äußerlich nachweisbare Hinweise auf einen erhöhten Flüssigkeitsverlust bzw. Flüssigkeitsbedarf können sein

- eine auffallend geringe Urinausscheidung,

- ein apfelartiger Atem(Azeton)geruch,

- im Urin lässt sich Azeton nachweisen,

- im Blut ist z.B. der Hämatokritwert erhöht.

Bei stärkerem Flüssigkeitsverlust /-bedarf

- lassen sich die Hautfalten im Bereich der seitlichen unteren Bauchdecken leichter abheben und fühlen sich teigig an (zur Beurteilung bedarf es einiger Erfahrung);

- kann eine Bewusstseinstrübung auftreten, die umgehend ärztliche Hilfe erforderlich macht;

- lässt sich im Urin Azeton nachweisen.

 

Letzte Bearbeitung: 08.01.2014

   
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